Konzeption

Die Konzeption des lyrischen Bildes in der Malerei

 

Man begreife die Farbe in einer zweifachen Bedeutung: einmal nach deren Stofflichkeit und zum Zweiten eben als Substanz, hier aber verstanden in dem Sinne, als dass durch sie als wichtigstem Element des Mediums Malerei in deren formgebender Anwendung Aussagequalitäten erzielt werden können.

Die formale Entwicklung verläuft vom Gegenständlichen zur Abstraktion, naturgemäß in dieser Folge. Ich meine hier endlich zu Resultaten gelangt zu sein, deren damit in Verbindung stehende Erfahrungswerte den Gedanken zulassen, die Abstraktheit des bildnerischen Gestaltens absolut zu setzen und nur mit Hilfe von Form und Farbe wie oben zu Aussagequalitäten zu gelangen. Möglich ist es jedoch wiederum auch, auf diesem Wege zu neuartigem figürlichen Gestalten zu finden: Voraussetzung hierfür allerdings ist, dass dies nicht unmittelbar am Naturabbilde orientiert sei.

Der Malakt, also das, was sich während der Entstehung des Gemäldes ereignet, lässt mich oft nicht wissen, was dabei vor sich geht, entzieht sich also vorläufig einer verbalen Begrifflichkeit. Erst nachdem das Bild fertiggestellt ist, besitzt es seine Gültigkeit innerhalb des Gesamtkontextes des Wirklichen und kann u.a. durch eine nachträgliche thematische Bestimmung, d.h. durch die Titelgebung einer kurzen und treffenden poetischen Beschreibung des Bildes dessen Wirklichkeitsgehalt hervorgehoben und verdeutlicht werden.

Eben was und wodurch wir etwas mitteilen, sei es nun durch Malerei oder durch Lyrik, ist zunächst des Künstlers eigene Lebensphilosophie, um in seinem Werden eine Entwicklung, die er nehmen wird, auch für andere erkennbar vorzuzeichnen.

Ich erkenne die Tatsache, dass in beiden Bereichen, in der Malerei und der Lyrik, deren tragendes Element ihre Bildlichkeit und Bildersprache ist. Es vervollständigt sozusagen das Gemälde jeweils die Welt der Sprache und das Gedicht jenes verfolgte Ziel einer Weiterentwicklung des Bildnerischen, meiner Malerei.

Das gemalte Bild gestaltet sich neben figürlichen Aspekten nach flächigen Farbkompositionen, beim Malen werden Erfahrungen, Erlebnisse verarbeitet, das Bild übermittelt Stimmungen, es will die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen, ihn zur Beschaulichkeit anregen. Oft bevorzuge ich für eine Serie neu entstehender Bilder das gleiche Format, um deren je eigene Konzeption hervorzuheben, aber auch um zu verstehen zu geben, dass zwar jeweils alle Bilder einer Reihe Gemeinsames aufweisen und doch jedes Bild als Einzelnes innerhalb der Reihe seine eigene Gültigkeit hat.

Wir sehen, dass der Mensch die Natur, die natürliche Welt durch den von ihm betriebenen technischen Fortschritt weitgehend vereinnahmt hat. Es ist daher nicht mehr möglich, die Natur, unsere Umgebung mit der erforderlichen Glaubwürdigkeit einfach nur abzubilden; es ist dies auch nicht mehr zeitgemäß, so scheint es. Und doch gelangen wir in einem gewandelten Verhältnis unseres Verständnisses von dem, was die Kunst glaubhaft darstellen könne, vielleicht durch einen veränderten Bezug zur Malerei, zur Farbe, zu einer vertiefenden Sichtung natürlicher Werte, die uns zu dem Bewusstsein verhelfen kann, dieselben nicht noch vermehrt in Frage zu stellen, sondern noch verstärkt zum Inhalt unserer künstlerischen Arbeit werden zu lassen.