Lyrik

In allem du

Ob die Menschheit in ihrem Ganzen
oder im kleinsten Subjekte,
schon seit dem Einzelnen
bis in ihre ganze Weite,
krankt in ihrem Geiste
und sei an ihren Spaltungen,
verworren wohl auf ihre Art
durch unser Fehl,
sei nun einmal
an ihrer Welt verwaist?

Oder kennt ihr einen Gott,
dem ihr noch euer Klagen wollt
vertrauensvoll zur Kunde geben?
Und doch ists die Vielheit
in deren Einheit, die sie erst
zu einem gleichförmigen, steten,
milde leuchtenden Strom des Lebens
in der Zeit vereint.

Abgrundtief einsam bist du,
gesprächsbereit trotzdem,
gesprächig allezeit;
allein bist du, aber doch
mit mir zu zweien,
weil niemand sonst
als nur dein Selbst
den Raum durchquert.

Wir treiben durch Äther – traumerfahren,
den großen Fragen nachsinnend:
In umstrittener Gegenwart emport sich
jeweils eine Ordnung zum Kosmos,
die in deinem Inneren dir
sich erst gebiert, dann aber
auf unbezweifelbare Weise
im allseiend Äußren stetig erhält,
sich doch in ihrer Geschichte
ohne Antwort zu geben verliert.

Was ich dir kann geben
ist Liebe eben, um gegen
den geifernden Unmut der Welt anzugehen.
Es ist meine Haut,
an der sich dein Atem scheidet,
zugleich in sie dringt
und in den Wogen unsrer Körper versinkt.
In ihren Elementen mag wohl die Welt
mit ihren bleiernden Landschaften sich geben
und führt immer wieder sich zusammen,
wenn auch nur als große Illusion,
als des Lebens Ganzes eben,
das nach ihren Bildern Wiesen grünend wiegt,
darüber Mond und Sonne,
der hellen Tage finstre Zeiten fliehen sieht.